Wandern in Andalusien – Sierra de Cazorla

Andalusien Lanschaft

Cazorla am Rio Madera

Im sonst eher trockenen Süden Spaniens liegt die Sierra de Cazorla, die gemeinsam mit der Sierra de Segura und der Sierra de Las Villas ein riesiges Gebirge bildet aus tiefen Schluchten, wild gezackten Felswänden, weiten Wäldern – und vor allem aus Wasser. Mit jährlichen Niederschlägen von stellenweise bis 2.000 mm ist die Sierra eine der regenreichsten Zonen des ganzen Landes und ein gigantischer Wasserspeicher.

Ein weit verzweigtes System aus Bächen, Flüssen und (künstlich angelegten) Stauseen durchzieht das Gebirge und ermöglicht eine artenreiche, üppige Flora und Fauna. Zwei grosse Flüsse entspringen hier: Der Rio Guadalquivir, der die Sierra nach Westen hin verlässt und dem Atlantik zustrebt, und der Rio Segura, der zum Mittelmeer hin entwässert.

Gänsegeier iin Cazorla

Gänsegeier in Cazorla

Diese drei Sierras, zusammengefasst unter der Kurzbezeichnung Sierra de Cazorla, wurden 1983 von der Unesco zum Biosphären-Reservat erklärt und erhielten 1986 den Status eines Naturparks. Zumindest ein grosser Teil davon. Mit einer Fläche von rund 214.000 Hektar ist das Cazorla-Gebiet der grösste Naturpark in Spanien, und einer der grössten in ganz Europa. An die 40 Berggipfel gehen über 1.500 m hoch, die höchsten Gipfelketten erreichen etwas mehr als 2.000 m – ein ideales Gebiet zum Wandern. Mitten durch die einsamen Weiten der Sierra de Segura verläuft der Fernwanderweg GR-7, ein Teilstück des Europa-Fernwanderweges E-4, der Griechenland, den Balkan, die Alpen und die Pyrenäen mit den südspanischen Küstengebirgen verbindet.

Der „Parque Natural Sierras de Cazorla, Segura y Las Villas“, wie die vollständige Bezeichnung lautet, ist aber nicht nur ein Paradies für Wanderer, sondern auch ein Dorado für alle Naturfreunde. Mehrere endemische Pflanzenarten wachsen hier wie das fast schon „berühmte“ Cazorla-Veilchen, sowie eine besondere fleischfressende Fettkraut-Art, eine Cazorla-Akelei, oder verschiedene Narzissen-Arten: Neben der zierlichen Felsen-Narzisse kommt sowohl die bis 1,5 m hohe grösste Narzisse nur hier vor, als auch die kleinste: eine winzige, fast stengellose Reifrock-Narzisse, die im Februar am Rande der letzten Schneefelder blüht. Auch die Familie der europäischen Orchideen ist in diesem überwiegend aus Kalkgestein aufgebauten Gebirge mit – bisher festgestellten – 52 Arten sehr stark vertreten.

Insgesamt wurden von offizieller Stelle bisher über 1.300 höhere Pflanzenarten nachgewiesen. An Bäumen dominieren in den oberen Lagen Pinienwälder, durchsetzt mit Steineichen, Ahorn, Wacholder oder Terpentin-Pistazie, die Flusstäler sind reich an Laubbäumen wie Eschen, Ulmen, Pappeln und Weiden, sowie mediterranen Gehölzen wie Buchs, Zürgelbaum und Erdbeerbaum.

Anchuricas-Stausee

Anchuricas-Stausee

In dieser reichen Vegetation wimmelt es nur so von Kleingetier. Insekten, Kröten, Schlangen und Eidechsen und einer unüberschaubaren Zahl an Singvögeln bietet die Sierra Unterschlupf und Nahrung. Auf die nächtliche Jagd gehen Dachse, Füchse, Marder und die scheue Ginsterkatze. An Wild sind Rothirsch, Damhirsch, Steinbock, Mufflon und die allgegenwärtigen Wildschweine präsent – darüberhinaus ist die Sierra de Cazorla ein ganz hervorragendes Gebiet, um alle möglichen Greifvögel zu beobachten.

Der nächste Spanien-Urlaub könnte also zu einem unvergesslichen Naturerlebnis werden, wenn Sie sich für einen Besuch im grössten Naturpark Spaniens entscheiden, den das renommierte GEO-Magazin vor Jahren zum Schwarzwald des Südens ernannte, und den Insider gelegentlich sogar als Die Spanische Schweiz betiteln.

Der Naturpark Sierra de Cazorla liegt in Andalusien, im Osten der Provinz Jaén, etwas abseits der N-322 an der Strecke zwischen Albacete und Córdoba. Im allgemeinen wird das Städtchen Cazorla als Ausgangsort für Ausflüge empfohlen, wer aber richtig Wandern will, sollte sich besser gleich ins Innere des Parks begeben. Auch dazu finden Sie reichlich Anregungen und Vorschläge auf promolasvillas.de

Copyright: November 2009 von Raoul Moreno, Chilluevar/Jaén/Andalusien
Gänsegeier-Foto von Hans-Rudolf Gahn, die beiden anderen vom Verfasser

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